Dorfrundgang

Wie könnte es anders sein in einem Wanderdorf: Mit einem kleinen Rundgang bringen wir Ihnen die Geschichte des "Salzburger Dorfes" näher.

Russbach, das Salzburger Dorf, liegt - etwas verschlafen - abseits der großen Touristenströme. Ein freidliches Dörfchen inmitten der Berge. Auf unserem Dorfspaziergang erfahren Sie, warum gerade hier der Dorfkern entstanden ist, wovon die Russbacher einst lebten und warum Sie hier einen geruhsamen Urlaub verbringen können

Sie starten Ihren Spaziergang beim Dorfbrunnen bei der Kirche.

Russbach – die Herkunft seines Ortsnamens bleibt weiterhin Geheimnis – war bis ins 19. Jahrhundert eine klassische Streusiedlung. Man kann sich das sehr gut veranschaulichen anhand der ältesten Zeichnung des Ortes, die unmittelbar nach der Errichtung der Pfarrkirche im Jahre 1862 angefertigt worden war. Der Zeichner wollte da selbst festhalten, wie enorm sich das Ortsbild nun plötzlich verändert hatte.

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Bis dahin war man sich nicht schlüssig, ob man die Kirche nicht besser beim Erlbachhof, im Ortsteil Gseng anlegen sollte. Eine Vorentscheidung allerdings war dann bereits mit dem Bau der Schule im Jahre 1833 getroffen worden. Diese stand dort, wo heute das Gemeindehaus steht – und in dem auch das Tourismusbüro und Fossilienkabinett untergebracht sind.

files/russbach/upload/Bilder/Dorfleben/Ortsansicht/russbach_kirchealt_tvbrussbach.jpgWas stand bis dahin sonst noch alles im heutigen Ortskern? Zunächst mal der über Jahrhunderte dominierende Bauernhof des Ortes, das Feising, dessen Name auf die bajuwarische Besiedlung zurück verweist: Dann natürlich auch die später hinzukommende, schon 1530 quellenmäßig belegte „Säge im Feißanger“; sie sollte später denn auch in die Namengebung Russbachsaag sowie ins Dorfwappen eingehen. Weiters das heute noch stehende alte Meisterbauer. Es weist die Datierung 1599 auf und war ehedem eine Bäckerei mit angeschlossener Mühle daran. Und schließlich gab es auch lange schon die Unterschmiede, in etwa dort, wo heute der Kindergarten steht.

Das war dann auch schon alles. Sehr spät also sollte sich da um die Säge und später die Schule wie die Kirche herum ein erster Ortskern herauskristallisieren. Diese Entwicklung wurde dabei wesentlich forciert durch die Bauernbefreiung, indem die Grundherrschaft des Feising abgelöst und das Lehen aufgeteilt wurde.

Die Kirche selbst wurde von der Erzabtei St. Peter erbaut, die unsere Pfarre, zunächst als Expositur Abtenaus, bis heute betreut. Sie ist dem Heiligen Kreuz geweiht; das Kreuz wie die Schlüssel des Hl. Petrus im Wappen erinnern daran. Das Gotteshaus hat aber schon eine erheblich längere Vorgeschichte, vor allem bedingt durch die Angst, dass die Russbacher vom Protestantismus im benachbarten Gosau angesteckt werden könnten. Richtig ernst damit wurde es dann aber erst im 18. Jahrhundert infolge der großen Protestantenaustreibung speziell aus dem benachbarten Annaberg. Nur die Pfarrer von Abtenau wie Gosau gaben sich überzeugt davon, dass die Russbacher weiterhin am Katholizismus festhalten würden – und behielten Recht. Ende des 19. Jahrhunderts bekam Russbach dann auch den Pfarrhof, sowie seinen jetzigen Friedhof. Die Kirche, ursprünglich durchgehend im neoromanischen Stil erbaut, wurde im Jahre 1960 im Innern barockisiert. Sie ist in erster Linie natürlich eine Stätte des Gebetes, aber es lohnt sich auch, das Juwel ihres Altars als wertvolles Kunstwerk näher in Augenschein zu nehmen.

Zwischen Gemeindeamt und dem Kaufhaus Gruber folgen Sie der Rinnbachstraße und biegen sogleich wieder rechts ab. An einer alten Mühle vorbei erreichen Sie nun den "Fluder".

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Der gleichsam zweite Kern des Ortes ist zweifelsohne die ehemalige industrielle Ader des Ortes. Wir haben die Säge bereits erwähnt; sie stand früher genau dort, wo heute das Gästehaus zur Sägemühle steht, in Erinnerung daran, dass sein großes Mühlenrad einst eben nicht nur eine Säge, sondern auch eine Mühle antrieb. Die kinetische Energie dafür lieferte der "Fluder", ein künstlich angelegter, vom Rinnbach abgezweigter Bach. Aber es hingen da noch mehr Gewerbe daran: zwei Schmieden; das Oberschmied und das schon erwähnte Unterschmied, sowie vier, ja zwischendurch gar fünf Mühlen.
Ende des 19. Jahrhunderts kamen dann einzelne Gewerbe hinzu: ein Wagner, ein Krämer (samt Post), ein Drechsler, ein Tischler, ein Schuster – und schliesslich auch das Forsthaus sowie zwei Wirtshäuser. Das Dorf war somit im Großen und Ganzen komplett.

Nachdem Sie auf einer Fußgängerbrücke den Rinnbach überquert haben, wenden Sie sich wiederum nach rechts.

Der Ortskern bekommt am Beginn des 20. Jahrhunderts dann allmählich auch seinen schon etwas bürgerlichen Zuwachs durch die "Häusler", also Menschen, die nur ein Haus, aber keinen Grund besaßen und in der Hauptsache als Arbeitnehmer in der durch den Ausbau der Bundesstraße und die Motorisierung nun boomenden Forst- und Sägewirtschaft ihren Lebenserwerb fanden. Nun wurde Schnittholz Exportartikel und allgemeiner Wohlstand machte sich breit im waldreichen Russbach. Das sollte auch politisch Früchte zeitigen: Im Jahre 1903 wurde Russbach selbständige Gemeinde und auch eigene Pfarre.

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Mit der aufblühenden Säge- und Forstwirtschaft bekamen auch die weichenden Söhne eine Chance, sich im Ort eine eigene Existenz aufzubauen; aber auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zwischenkriegsjahre sollten dazu führen, dass Baugründe frei wurden und man sich sein bescheidenes, eigenes Häusel oder auch nur kleines Austraghäusel im Tal und im Ort bauen konnte.

Beim Kaufhaus Schwaighofer geht es links über den Randobach (das ist nicht der Russbach!) und gleich danach wieder nach rechts in Richtung Wasserpark.

Diese Ortskernerweiterung und -verdichtung erfolgt in erster Linie entlang der Bäche, im Ortskern primär des Rinnbachs und des Randobachs, sowie nach beiden Richtungen hin entlang der Straße, so dass Russbach allmählich seine so abgerundete und lieblich geschlossene Dorfstruktur erhält und sich auf diese Weise in weiterer Entwicklung zum "Salzburger Dorf" und Vorzeigemodell an der Schwelle zum Salzkammergut herausmausern wird.

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Seinen letzten Schliff aber hat das Dorf nun zweifelsohne mit der Abtragung der Säge, die einst den Ortskern so sehr beherrscht und in so bestimmender Weise ihren Hebammendienst an der Dorfwerdung geleistet hatte – ein wahrhaft historischer Moment der Ortsgeschichte. An ihre Stelle trat nun ein großzügig geplanter und gefällig gegliederter Wohnkomplex mit allerlei modernen Dienstleistungen. Zusammen mit der Modernisierung des Gemeindeamtes und dem Ausbau der touristischen Infrastruktur prägt es das Bild des „modernen“ Russbach von heute, vom Durchzugsverkehr entlastet zudem durch den Ende der 60er Jahre in Angriff genommenen Bau der Umfahrungstraße des Ortes. Gekrönt wird das alles schließlich durch das Juwel seines Wasserparks, mitten im Ort – fernab vom Verkehr, eine Oase der Entspannung und des Vergnügens für Kinder und Familien.

Über eine Fußgängerbrücke kommen Sie, an Kneippanlage und Kindergarten vorbei wieder zurück zum Ausgangspunkt.

© Virtuelles Dorfmuseum Russbach